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Sie lernte, auf die Gemeinsamkeiten zu achten

Als ich 2016 das erste C.A. Meeting besuchte, spürte ich bei den Menschen etwas unglaublich Positives. Es war mein erstes Meeting, in dem ich mit dem Blauen Buch und der Lösung in Berührung kam.

Die Texte von C.A. und dem Blauen Buch verstand ich anfangs überhaupt nicht und sie lösten Verwirrung in mir aus. Durch den Begriff “Gott” entstand in mir ein großer Zwiespalt, weil der Begriff Gott, wie ich ihn damals verstand, negativ geprägt war durch meine strenge katholische Erziehung und später durch biblische, christliche Konfrontation. Keins von beidem half mir, mit meinem Leben klar zu kommen.

Nur durch das Konsumieren bewusstseinsverändernder Substanzen glaubte ich, mein Leben leben zu können, und nach 40 Jahren Konsum hatte ich es komplett an die Wand gefahren. Erst als ich mich auf eine neue Vorstellung von einer Höheren Macht, die größer ist als ich, einlassen konnte, und als ich lernte dieser zu vertrauen, konnte ich in C.A. neue Erfahrungen machen.

Da ich mich emotional, spirituell, körperlich und finanziell an meinem ablosuten Tiefpunkt befand, konnte ich mich mit dem, was in den Meetings geteilt wurde, identifizieren. Mein Interesse war geweckt, und ich ging immer weiter in die Meetings.

Nach dem dritten Meeting nahm ich mir eine Sponsorin. Sie half mir das Heute durchzustehen und ermutigte mich, weiter in Meetings zu gehen, das Blaue Buch zu lesen, eine Danbarkeitsliste zu schreiben und täglich telefonischen Kontakt zu anderen C.A. Mitgliedern zu suchen. Außerdem schlug sie vor, dass ich einen Dienst in der Gemeinschaft übernehme und immer wenn ich gebeten werde etwas zu tun, z.B. einen Text vorzulesen, “Ja” zu sagen. Der Dienst in der Küche half mir, in die Gemeinschaft zu finden und Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit wieder zu lernen.

Als ich dann mit den Zwölf Genesungsschritten begann, erkannte ich immer mehr, wie wertvoll und notwenig Gemeinschaft für mich ist und wie wichtig es ist, auf Gemeinsamkeiten zu achten. Es stimmt, was wir im Meeting lesen, “Es mag verführerisch sein Unterschiede mehr zu beachten, als Gemeinsamkeiten, aber dies kann blind machen gegenüber möglichen Ressourcen zur Unterstützung auf unserem Genesungsweg.” Mit diesem Satz mache ich mir immer wieder bewusst: Wir haben eins gemeinsam, wir sind suchtkrank und es gibt eine Lösung. Eine Lösung die ich für mich mit meiner Höheren Macht – für mich Gott, so wie ich ihn heute verstehe – erfahren und leben kann. Am meisten hat sich mein Vertrauen zu dieser Höheren Macht vertieft, als ich die Schritte vier und fünf machte.

Auf eine besondere Art durfte ich die Gemeinschaft auf meiner ersten C.A. Convention in Holland 2017 erleben. Obwohl ich weder Holländisch noch Englisch spreche, fühlte ich mich gleich dazugehörig. Da waren Menschen zusammen, die aus verschiedenen Ländern kamen, unterschiedliche Biografien haben, unterschiedlich auf dem Weg der Genesung waren und dennoch verband uns eine Herzlichkeit und eine Freude, weil wir auf einem gemeinsamen Weg sind und eine Lösung für unser Leben gefunden haben.

Noch etwas fiel mir auf, das mich immer wieder berührt. Es wird nicht gefragt wer wir sind und was wir haben, keine Frage nach Berufen, welches Auto fahre ich, wie viele Kinder habe ich, ledig oder verheiratet und wie mein Bankkonto aussieht. Es geht einzig und allein darum, wie wir uns gegenseitig auf dem Weg der Genesung unterstüzen können, und dass wir uns so helfen, wie jeder kann, ohne irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen.

Jemand in C.A. hat mir mal gesagt, ich muss hier nicht alle mögen, aber es ist wichtig alle freundlich und mit Respekt zu behandeln, weil auch ich so behandelt werden möchte und mich auch nicht jeder mag, aus welchen Gründen auch immer.

Ich bin nicht perfekt und manchmal passiert es, dass ich doch wieder mal auf Unterschiede achte und mich isoliere. Dann arbeite ich Schritt zehn, suche nach meinem Anteil und erinnere mich, dass es keine Rolle spielt, ob ich mit diesen Leuten auf dieselbe Party gegangen wäre – diese Leute haben eine Lösung, die mir helfen kann nüchtern zu bleiben. Also bleibe ich mittendrin und trage dazu bei, dass C.A. in meiner Umgebung wächst.

Heute kann ich sagen, dass C.A. nicht nur eine Lösung zum nüchtern bleiben hat, sondern überhaupt die Lösung für mein ganzes Leben. Mittlerweile haben sich wunderbare Freundschaften entwickelt, für die ich sehr dankbar bin.

Frankfurt 2019

Disclaimer:

In diesem Blog geben einzelne Mitglieder von Cocaine Anonymous Deutschland ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung weiter. Wenn dabei persönliche Ansichten oder Meinungen zum Ausdruck kommen, so stehen diese nicht für Cocaine Anonymous als Ganzes.

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